offener Brief an den VDA zur Satzungsänderung
Liebe(r) Vereinsvorsitzende(r),
wir sind ein kleiner Verein in Berlin. Aber wir sind seit fast 60 Jahren ein Verein mit nahezu konstanter Mitgliederzahl von etwa 20 Personen, bei denen sehr intensive Kontakte untereinander im Vordergrund stehen. Unser Altersspektrum reicht von 18 bis 92 Jahren! Und wir leben von den Erfahrungen unserer Mitglieder.
Wir bedanken uns bei der Strukturkommission für ihre gründliche und aufwändige Vorarbeit, die uns als Basis für eine fruchtbare inhaltliche Diskussion gedient hat, die – zugegebenermaßen – zu selten im Vereinsleben stattfindet.
Wir haben mehrfach über die Entwürfe der Strukturkommission zur Änderung von Satzung und Geschäftsordnung diskutiert. Unsere Mitglieder sehen in den Vorschlägen sehr große Probleme.
Das Hauptproblem in Folge einer Änderung befürchten wir darin, dass passive Mitglieder aus den Vereinen austreten und billiger für 10,- Euro Einzelmitglied im VDA werden. Das wird die Vereine erheblich schwächen, und es wird zu Vereinsauflösungen kommen.
Die Vereine aber sind es, die den sozialen Zusammenhalt, den persönlichen Kontakt, den Erfahrungsaustausch und die Basisarbeit im Verband gewährleisten; die Einzelmitgliedschaft kann kein Ersatz für einen Verein sein!
Unsere Vorschläge zur Aufnahme von Einzelmitgliedern:
- Grundsätzlich haben wir keine Bedenken zur Aufnahme von Einzelmitgliedern. Aber ein Einzelmitglied soll in Zukunft einen höheren "Stellenwert" als ein "normales" Mitglied haben. Denn ein normales Mitglied in einem Verein zahlt 10,- € an den Verband, einen Bezirks- und einen Vereinsbeitrag. Der Verein finanziert davon beispielsweise Vorträge, Fahrten, Börsen undJugendarbeit, die allen Mitgliedern zugute kommen. Der Bezirk veranstaltet u.a. regionale Versammlungen mit Referenten, die sich wiederum die Vereine nicht leisten können. Die Vereine und Bezirke haben somit für das Funktionieren des Verbandes eine sehr wichtige Funktion und präsentieren den VDA vor Ort. Besteht in Zukunft die Möglichkeit der viel billigeren Einzelmitgliedschaft für 10,- Euro bei gleichzeitiger Inanspruchnahme aller VDA-Leistungen (!) (Zeitschrift, Versicherung, Besuch von Börsen, Versammlungen usw.), werden sich viele Vereinsmitglieder überlegen, ob sie weiterhin Mitglied in einem VDA-Verein und einem Bezirk sein wollen. Wir befürchten eine Austrittswelle und somit eine massive Schwächung von Vereinen und Bezirken!
- Wenn die Einzelmitgliedschaft derart gefördert werden soll, wie das die Vorschläge für die Satzungsänderungen vorsehen, wäre man beispielsweise nicht mehr in der Lage, speziell Kindern und Jugendlichen eine besondere Betreuung zukommen zu lassen. Das kann nämlich nicht von Einzelmitgliedern geleistet werden, sondern nur vor Ort in den Vereinen.
Aus den genannten Gründen fordern wir deshalb den bisherigen Mindestbeitrag für Einzelmitglieder von 36,- Euro als Untergrenze beizubehalten, um die Vereine und Bezirke nicht zu schwächen. Eine Festschreibung des künftigen Beitrages in der Geschäftsordnung ist notwendig.
Unsere Bedenken zu den vorgeschlagenen Änderungen in Satzung und Geschäftsordnung:
- Zu § 1 der Satzung: Wir verstehen nicht, warum eine Namensänderung des 100 Jahre alten Verbandes erforderlich sein sollte. Die Vereine mit den Bezirken und Arbeitskreisen bilden den „Kern" des Verbandes. Unseres Wissens hat der Verband in den vergangenen Jahren nur wenige Einzelmitglieder aufgenommen. Unser Ziel sollte es doch sein, die Vereine und damit den Verband zu stärken, was sich auch im Namen des Verbandes ausdrückt. Warum soll der „Verband" zu einer „Vereinigung" werden? Wir sehen in der Namensänderung einen erheblichen Schadendes Verbandes nach außen. Laut Wikipedia bildet ein Verband einen Zusammenschluss von Einzelmitgliedern. Demnach hat eine Vereinigung keinen besseren Status!
- Zu § 3 (3) der Satzung: Was rechtfertigt den Beitritt ausländischer Mitglieder? Das steht im Widerspruch zum Namen des VDA. Warum sollte das Präsidium allein über die Aufnahme entscheiden?
- Zur Geschäftsordnung IV (1.): Warum soll der Termin des VDA-Kongresses gestrichen werden? Die Terminfestlegung von Verbandstag und Kongress hat sich über viele Jahre lang bewährt und andere Termine sind oft schon belegt von Kongressen, Ausstellungen, etc. Der VDA hat die volle Aufmerksamkeit verdient. (Die Anwesenheit des Präsidiums halten wir übrigens für selbstverständlich!).
- Zur GO V (1): Sollte den Änderungen in Satzung und Geschäftsordnung zugestimmt werden, kann der Verbandstag jederzeit vom Kongress abgekoppelt werden und getrennt stattfinden. (Als Verbandstag wird die Sitzung der Vorstände, der Bezirke und Arbeitskreise sowie der Ehrenmitglieder mit dem Präsidium bezeichnet: unser zentrales Beschlussgremium). Unser Bezirk wird aber nicht in der Lage sein, die Kosten unserer Bezirksvorsitzenden und Geschäftsführerin für zwei getrennte Veranstaltungen zu bezahlen. Wie groß wird dann noch das Engagement unseres Bezirksvorstandes sein, zum Verbandstag zu fahren, wenn dort nur „Arbeit" anliegt? Muss der Verband nicht auch bei einer rein ehrenamtlichen Tätigkeit einen Anreiz schaffen, im Verband mitzuarbeiten? Wir sind doch froh, dass wir einen Vorstand im Bezirk haben, der bereit ist, diese viele Arbeit für uns und den Verband zu machen! Und schwinden dann nicht auch die Besucherzahlen des VDA-Kongresses?
- Zur GO V (10): Wir halten es für notwendig, dass nicht nur die Bezirksvorsitzenden, sondern auch deren Vertreter ganz offiziell zum Verbandstag kommen dürfen. Nur auf diese Weise können potentielle Nachfolger „eingearbeitet" werden. Warum sollte dies nur auf „Einladung des Präsidiums" möglich sein? Das ist undemokratisch und nicht sachdienlich!
- GO A (1) und B II (1-3): Ehrungen sollen künftig nur noch über eine einzelne Person (Referat Ehrungen) abgewickelt werden. Die Zuständigkeit soll das Präsidium regeln. Dieses verletzt die Mitbestimmung der Mitglieder des Verbandstages! Wir halten zum Beispiel die in diesem Jahr nicht erfolgte Ehrung von Jochen Matthies mit dem VDA-Preis (alleinige Entscheidung des Präsidiums) für undankbar und beschämend für den VDA. Wir können uns nicht vorstellen, dass das dem Willen der Verbandsmitglieder entspricht.
- Laut GO, V.9. haben Mitglieder des Verbandes zwar künftig das Recht, am Verbandstag ohne Rederecht teilzunehmen, aber nur, sofern es die Raumgröße erlaubt. Wir fordern eine ausreichende Räumlichkeit, um Stellvertretern der Bezirke und anderen Interessierten den Besuch zu ermöglichen.
- Wir fordern zunächst eine Neuregelung des Stimmrechts (Satzung § 15 und GO C.5.), bevor es Änderungen an Satzung und Geschäftsordnung gibt. Die sich abzeichnende Regelung, dass der Arbeitskreis Allgemeine Aquaristik vom Präsidium geleitet werden soll und damit die Einzelmitglieder vertritt, stellt einen klassischen Interessenskonflikt dar. Mit selbst verwalteten Stimmen könnte sich nämlich das Präsidium selbst wählen.
- § 23, Abs. 2 der Satzung: Zu ändern ist: „Das Präsidium ist an die Beschlüsse des Verbandstages gebunden, sofern nicht gesetzliche Regelungen dem entgegenstehen".
- § 18 der Satzung, Abs. 4, Ergänzung: wird als NEU vorgeschlagen: „Einwände gegen das Protokoll werden den Mitgliedern nach Ablauf der Einspruchsfrist zur Verfügung gestellt." Wir halten dies für ein demokratisch legitimiertes Verfahren.
Wir fordern die Beibehaltung der bisherigen Regelung für Kongress, Verbandstag und Herbstsitzung!
Schlussfolgerungen aus unserer Sicht
- Wir brauchen zweifellos mehr Demokratie im VDA. Wir glauben, dass die geplante Machtkonzentration zugunsten des Präsidiums (Referate, AK Allgemeine Aquaristik und Wissenschaft, Aufnahme von ausländischen Vereinen, Terminfestsetzung von Kongress und Verbandstag usw.) dem entgegensteht.
- Im Sinne von mehr Transparenz halten wir die Veröffentlichung der detaillierten Wahlergebnisse auf der Webseite des VDA und im Verbandsjournal für erforderlich.
- Termin von Kongress und Verbandstag sollten verbindlich bleiben und gemeinsam stattfinden.
- Über Ehrungen sollte demokratisch abgestimmt und nicht durch das Präsidium allein entschieden werden.
- Das Recht auf Stimmabgabe der Einzelmitglieder muss geklärt werden.
- Existenz und Weiterbestehen der Vereine und Bezirke müssen gefördert, anstatt behindert zu werden.
- Das Wissen der älteren Mitglieder, die ihre Erfahrungen gern persönlich in den Vereinssitzungen weitergeben, muss erhalten bleiben. Denn das kommt der ganzen Vivaristik zu Gute!
Ich würde mich als Vorsitzende unseres Vereins sehr freuen, wenn wir mit unserer Meinung eine öffentliche Diskussion in Gang bringen würden.
Gleichzeitig freuen wir uns über eine direkte Kommunikation unter den Vereinen. Bitte schreiben Sie mir Ihre Ansicht bzw. die Ihres Vereins:
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Herzliche Grüße
Dr. Angelika Senger
Im Auftrag der Vereinsmitglieder des VDA-Vereins Aquaria Zehlendorf (Bezirk 01/011 Berlin)
Aktualisiert (Freitag, den 19. August 2011 um 14:02 Uhr)

